Irland Wanderurlaub 2012
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Tipps zum Wandern in Irland (1): Auf Wegen und auf eigene Faust

Die Iren sind eine junge Wandernation, entsprechend ausbaufähig präsentiert sich das landesweite Wanderwegenetz. Verglichen mit England oder Deutschland gibt es nur wenig ausgebaute und beschilderte Wanderwege. Die Geschichte weiß warum: Bis ins frühe 20. Jahrhundert war Irland von den Engländern besetzt und regiert, dann kam die Landreform, und das gesamte Land wurde zu Gunsten der davor weitgehend besitzlosen irischen Bevölkerung privatisiert. 

Von einem öffentlichen Wanderwegenetz wollte dann zunächst niemand etwas wissen. Wer hart auf dem Feld, im Torf oder auf dem Hof arbeitete, musste am Wochenende nicht auch noch an die frische Luft;  und von A(rdaturrish) nach B(allilicky) ging man gemütlich auf den wenig befahrenen Straßen – zumindest bis in den späten 80er Jahren auch im ländlichen Irland der Wohlstand einkehrte und mit ihm die Autos, der Verkehr, die Gefahren. 

Erst mit den Schreibtisch-Berufen, dem Geld, der Freizeit und den Zivilisations-Krankheiten kam in der breiten Bevölkerung der Wunsch auf, Wandern zu gehen, Spaziergänge zu machen, sich an der Natur zu erfreuen. Seitdem bemühen sich County-Verwaltungen und Gemeinden um Wanderwege. Es gibt mittlerweile mehrere ausgezeichnete Fernwanderwege wie den Beara Way oder den Sheeps Head Way auf den südwestlichen Halbinseln des Landes, es gibt auch eine zunehmende Anzahl schöner und gut ausgeschilderter Rundwege, etwa im Nationalpark von Killarney oder im Naturschutzgebiet von Glengarriff. (Diese Wege werden wir in einer der nächsten Folgen unserer Wander-Tipps auf diesem Blog vorstellen.) 

Erst seit etwa zehn Jahren setzen sich engagierte Menschen dafür ein, dass der irische Staat seine schützende Hand ausstreckt, die zunehmend aggressive Abschottung des Privatlandes eindämmt und den freien Zugang in die herrliche Landschaft und auf die faszinierenden Berge des Landes per Gesetz garantiert. Auch die schönsten Orte des Landes, die Berggipfel oder die Wiesen mit großartigen, jahrtausende alten Steinkreisen, gehören meist Privatleuten. Die Kämpfer für freien Zugang organisieren sich in einer Bürgerinitiative namens "Keep Ireland Open" und fordern, was man aus England lange schon kennt: das "Right to Roam", also ein allgemeines öffentliches Wegerecht und das Recht zu wandern, wo und wohin man will. 

Es sind vor allem die größten Landbesitzer, die Bauern, die überzeugt sein wollen, den Stacheldraht und die verschlossenen Feldtore zu öffnen. Seit einem Jahr lockt der Staat nun Bauern in schönen Landschaften, dass sie öffentlichen Zugang zu ihrem Land gewähren, dass sie die Wege öffnen und pflegen. Das Konzept ist durchaus umstritten, denn die Bauern erhalten nach dem Geschmack mancher Städter ohnehin schon viel zu viele Subventionen, als dass man ihnen nun auch noch den freien Zugang für Wanderer abkaufen müsste; und dem Staat geht nun in der Wirtschaftskrise auch zunehmend das Geld aus.

Im Alltag, fernab der in den Medien ausgetragenen Konflikte, herrschen ohnedies andere Regeln vor: Die meisten Bauern sind nette Menschen, die einem gerne zeigen, wie man den Gipfel am leichtesten erreicht. Und wo wenig geregelt ist, regelt mancher die Dinge am besten selbst. Man sucht sich seinen Weg fernab der Wege und der Wegweiser, wandert querfeldein, besteigt  Gipfel, schaut von Steilküsten hinaus aufs Meer. Denn immer gilt in Irland auch das libarale Prinzip: Was nicht ausdrücklich verboten ist, ist zunächst einmal erlaubt. Warum das so ist und welche Spielregeln zu beachten sind: demnächst hier! 
 
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Tipps zum Wandern in Irland (2): Wenn Du vor einem geschlossenen Tor stehst...



Ein Deutscher steht in der Natur vor einem verschlossenen Tor. Er denkt sich: Durchgang verboten, dreht um, sucht sich einen anderen Weg entlang des Zaunes. Ein Ire steht in der Natur vor einem verschlossenen Tor. Er sieht keinen schriftlichen Hinweis, öffnet das Tor, geht hindurch, schließt das Tor hinter sich und  setzt seinen Weg unbeirrt fort.

Ein geschlossenes Tor auf dem Land in Irland bedeutet nicht das Ende des Weges. Sofern nicht schriftliche Hinweise wie "No Trespassing" (Unbefugter Zutritt verboten) oder "Private" (nichtöffentlich) oder ganz rüde "Keep out" (Bleib draußen) am Tor prangen, gilt das Prinzip "Was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erst einmal erlaubt".  Da diese Tore jedoch meistens auch eine Funktion haben, in der Regel nämlich die, Tiere in einem Feld zu halten, hat der Torbenutzer eine oberste Pflicht: das Tor wieder zu schließen. Genauer gesagt: Er hinterlässt ein Tor in dem Zustand, in dem er es vorgefunden hat - manchmal auch offen. 

Hinter dem simplen Gang durch ein Tor verbirgt sich freilich ein Dickicht hoch komplizierter rechtlicher Probleme mit dem Namen "Wegerecht" (Right of way). Dieses Wegerecht ernährt den Berufsstand der irischen Anwälte seit nunmehr über 90 Jahren hervorragend. Ganze Bibliotheken Rechtsliteratur sind geschrieben worden, um das Thema in den Griff zu bekommen – vergebens. Immer neue Fälle verleihen dem Streitobjekt Nummer 1 im Land immer neue Facetten. So gibt es Grundstücksbesitzer, die ihr geliebtes Stück Land gar nicht betreten können, weil sie kein Wegerecht und damit keinen Zugang haben – es sei denn, sie fliegen direkt mit dem Hubschrauber ein. 

Schwierig wird es immer dann, wenn Eigentum und regelmäßige Nutzung im Spiel sind. Wer beispielsweise regelmäßig einen Weg über Privatland geht, und dies über Jahre hinweg tut, kann nach zehn, zwölf Jahren daraus ein Recht postulieren und mit etwas Glück gerichtlich durchsetzen. 

Von derlei Problemen wird der einfache Wanderer nicht berührt,  ist er ein doch eher flüchtiges Subjekt. Er macht seine Wanderung – am besten mit einem
ortskundigen Führer - und ist schon wieder weg. Ausnahmen bestätigen die Regel. So sperren zornige Bauern, die sich von der Regierung oder der County-Verwaltung ungerecht behandelt fühlen, schon einmal einen beliebten Wanderweg, und versuchen, arglose Wanderer mit dem Knüppel "Private Property" (Privatland) zu verscheuchen. 

In diesem Fall bleibt man am besten ganz ruhig, spricht ein paar freundliche Worte in welcher Sprache auch immer, lächelt und geht mit dem Mut des Ahnungslosen zielstrebig seines Weges. 

Am Vorbildlichsten verhält sich natürlich, wer schon vor der Überquerung von Privatland zielstrebig den nächsten Bauernhof ansteuert und nach einem Schwätzchen mit dem Farmer freundlich um Erlaubnis bittet, das Objekt der Begierde ansteuern zu dürfen. Nach unserer Erfahrung ist eine Ablehnung des Wunsches die absolute Ausnahme. 

Dieses "Benimm für Wanderer in irischen Gefilden" gilt übrigens nicht für ausgeschilderte offizielle Wanderwege.

Und das noch: 
Wenn ein Tor fest abgeschlossen ist, kann man immer noch klettern. In diesem Fall gilt: Der geübte Wandersmann steigt immer an der Tor-Angel – dort wo das Tor im Scharnier aufgehängt ist - über das Hindernis, und niemals auf der frei schwingenden Seite; eine Vorsichtsmaßnahme, um das Tor nicht zu beschädigen. 

 
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Tipps zum Wandern in Irland (3): Die Berge Irlands fordern Respekt



Die herrlichen Berge Irlands werden gerne belächelt oder sogar in Abrede gestellt: Viele Kontinental-Europäer stellen sich die Insel als große grüne und völlig flache Schafswiese vor. Auch die Höhe der Berge beeindruckt auf den ersten Blick nicht: 700 Meter, 800 Meter, na ja, 1039 Meter der Corrán Tuathail (Carrauntuohil), der höchste Berg des Landes. 

Was soll da schon passieren? Das ist wie ein Hügel im Schwarzwald, kleiner als der Brocken im Harz oder der Belchen in den Vogesen. Doch Vorsicht: Diese Berge wachsen direkt aus dem Atlantik, sozusagen von Null auf 700, und sie sind gefährlich für den, der ihnen nicht mit Respekt begegnet. Das mag pathetisch klingen, ist es aber nicht: Jedes Jahr geraten Dutzende unvorsichtige Wanderer in Bergnot und immer wieder auch endet das Vergnügen tragisch. Gerade am Wochenende mussten zwei Wanderer in den Wicklow Mountains von einer Hundertschaft Helfer vom Berg geholt werden, nachdem sie sich verschätzt hatten und die Nacht bei Minustemperaturen hoch oben im Freien verbringen mussten.

Stopp. Dies ist keine Anti-Werbung, wir betreiben kein Mountain-Mobbing. Im Gegenteil: Diese wunderbaren Berge wollen begangen, erobert, genossen, erfahren und verstanden werden. Es braucht gar nicht viel, um das, was ich Respekt genannt habe, für die Berge aufzubringen. Hier die Regeln für Alle, die in Irland hoch hinaus wollen: 

* Gehen Sie immer in guter Ausrüstung. Schützen Sie sich mit der richtigen Kleidung vor Wind, Wetter, Nässe. Der Zwiebellook mit leichter moderner Funktionswäsche, die je nach Temperatur und Feuchtigkeit in mehreren Schichten getragen werden kann, hat sich bewährt. Gute Wanderschuhe verstehen sich von selbst, genauso der Schutz gegen Regen und Sonne.

* Orientieren Sie sich: Lesen Sie das Gelände mit Landkarte (die Discovery Series Wanderkarten des Ordnance Survey im Maßstab 1:50.000 gibt es für das gesamte Land), wenn Sie können mit Kompass oder mit einem GPS mit Trackback-Funktion, die Ihnen im Zweifelsfall den Rückweg aufzeichnet. 

* Nehmen Sie auf jeden Fall ein gut aufgeladenes Handy mit. Hinterlassen Sie Ihre Nummer bei Freunden, Bekannten, im Hotel. Speichern  Sie vor der Wanderung die örtlichen Notfallnummern der Polizei (999 oder 112) und der örtlichen Bergrettung ein. Gerade Mobile Telephone haben in den Bergen heute einen großen Nutzen. Mancher fehlgelaufene Wanderer konnte sich mit Hilfe seines Handies aus seiner Notlage retten (lassen). 

* Machen Sie einen realistischen Zeitplan und bedenken Sie, wie lange Sie unterwegs sein können, bevor es dunkel wird. An Weihnachten vor 4 Jahren, den dunkelsten Tagen des Jahres startete ein englischer Familienvater mit seinen vier Kindern nachmittags um 14 Uhr zu einer Tour auf den Hungry Hill auf Beara, für die er 7 Stunden hätte einplanen müssen. Als es dunkel wurde, hatte die Gruppe noch nicht einmal den Gipfel erreicht - vom Abstieg gar nicht zu reden. Dank Handy konnte der Mann sich und seine Kinder in einer dramatischen Nachtaktion vom Berg retten lassen. Nicht erparen konnte er seiner Familie, dass die Zeitungen die Rettungsaktion hämisch kommentierten und die Namen der unfreiwilligen Nachtwanderer veröffentlichte, getreu dem alten Sprichwort: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

* Wenn Sie ganz sicher gehen wollen: Lassen Sie sich führen. Wir von
Wanderlust  bringen Sie sicher hinauf und wieder runter – und dazwischen haben Sie beim Wandern in den herrlichen Bergen von Cork und Kerry viel Spaß. Wenn wir mit Gästen in die Berge gehen,  erzählen wir gerne all das, was wir in den letzten zehn Jahren hier gelernt und kennen gelernt haben: "Walk und Talk".  

 
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Tipps zum Wandern in Irland (4): Vom spurlosen Verschwinden

Haben Sie schon einmal das schöne Wort "Wander-Ethik" gehört? Es könnte von unserem Oberethiker Immanuel Kant stammen und ist doch nur eine freie Übersetzung des englischen Begriffs "Outdoor Ethics". Die "Wander-Ethik" weist uns darauf hin, was wir tun und lassen sollen, wenn wir uns in der freien Natur bewegen. Die irischen Tourismusverbände und die wichtigen Umweltschutzorganisationen haben diese aus den USA stammenden Richtlinien zur Ethik des Wanderns ratifiziert und unterstützen sie. "Leave No Trace" (Hinterlasse keine Spuren) nennen sich die sieben in der Richtlinie zusammengefassten Prinzipien. Sie fassen in einfachen Regeln zusammen, wie sich Wanderer in Irlands herrlicher Natur verhalten sollen, um diese Natur zu schonen, zu schützen und zu bewahren. 

Zusammenfassen kann man die Ratschläge für ethisches Wandern in einem einfachen Satz: Bewege Dich möglichst unsichtbar und leise, hinterlasse in der Natur keinerlei Spuren, verschwinde so spurlos, wie Du aufgetaucht bist. Im Einzelnen beschreibt  "Leave No Trace", dass man keinerlei Abfälle in der Natur zurücklassen soll, auch nicht die vielzitierten organischen Abfälle (weil auch Bananenschalen oder Obstreste das Ökosystem beeinflussen können), sie sagt, wie man umweltgerecht auf die Natur-Toilette geht, wo Lagerfeuer am wenigsten schädlich sind, wie man sich Wildtieren und anderen Wanderern gegenüber verhält, oder dass man aus der Natur nichts mitnimmt. 

Wir von
Wanderlust unterstützen diese Konvention ausdrücklich und erklären den Teilnehmern unseren Touren genau, wie sie sich unterwegs richtig verhalten. Gerade in Irland, wo wir uns sehr oft abseits befestigter Wege im freien Gelände bewegen, muss zum Beispiel ständig abgewogen werden,  wo die Teilnehmer einer Gruppe laufen, ob sie besser im Gänsemarsch oder besser weit verteilt über eine Moorwiese gehen sollen. Vollkommen spurlos geht leider keine der beiden Varianten an der Moorwiese vorbei, da würde nur Zuhausebleiben wirklich 100-prozentig helfen. Es geht deshalb darum, Fußabdrücke, Schäden, Spuren möglichst gering zu halten.

Die Broschüre mit den Richtlinien zum Wandern halten wir
auf unserer Website zum Download bereit. In der nächsten Folge unserer Tipps für Wanderer veranstalten wir das kleine Wanderethik-Quiz "Können Sie spurlos verschwinden?"


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